Bundeseinheitliches Abitur

Dann eben ohne die CSU.

Ein bundeseinheitliches Zentralabitur „wird es auf keinen Fall mit Bayern und der CSU geben“, stellte Markus Söder, Ministerpräsident Bayerns gestern fest. Damit sperrt er sich ohne Angabe von Gründen und Argumenten gegen eine längst überfällige Angleichung des Abiturniveaus. Da Bildungspolitik im Aufgabenbereich der Länder liegt, gibt es in Deutschland 16 verschiedene Bildungssysteme mit teils deutlichen Unterschieden in Anforderung und Notenzusammensetzung. „Dieser Wahnsinn gehört zur Kleinstaaterei ins vorletzte Jahrhundert“, meint Markus Taubert, Vorsitzender der ÖDP Dresden und Kandidat für den sächsischen Landtag. „Wir brauchen eine Schulbildung, die auf das Leben im 21. Jahrhundert vorbereitet. Mit verzweifelten Machterhaltungskämpfen der Landesregierungen wird Deutschland den Anschluss an führende Bildungsnationen endgültig verlieren.“ Er könne auch nicht verstehen, warum sich ein promivierter Jurist wie Söder so an seinen Schulabschluss klammere. So sagte Söder gestern: „Wir wollen unser bayerisches Abitur behalten.“ „Das will Ihnen doch niemand wegnehmen!“, möchte Taubert ihm zurufen. „Es geht darum, dass Abiturnoten einen einheitlichen Wert bekommen. Auch Herr Söder kann es nicht sinnvoll heißen, wenn es einer Umrechnungsmatrix bedarf, um sächsische Zensuren aus dem Jahr 2015 mit bayerischen von 2019 zu vergleichen.“
Dass ein bundeseinheitliches Bildungssystem nicht absehbar zu erreichen ist, sieht auch Markus Taubert. Es sei ihm letztlich egal, wenn die Länder ihre SchülerInnen auf auf unterschiedlichen Wegen auf die Schulabschlussprüfungen vorbereiteten. „Wenngleich man mit häufigen Reformen aus bildungsideologischen Gedanken weder den SchülerInnen noch den LehrerInnen einen Gefallen macht.“ Letztlich müssten sich am Ende aber alle an einem Maßstab messen lassen. Dabei sei es auch gar nicht seine Absicht, das Abiturniveau am Mittel der jetzigen Abschlüsse zu orientieren. „Wir brauchen das beste Abitur, das wir je hatten. Wenn Herr Söder meint, das sei das bayerische, dann negiert er Verbesserungspotenzial zugunsten der üblichen CSU-Überheblichkeit. Warum setzen sich nicht alle KultusministerInnen an einen Tisch und kombinieren die Vorteile, die die verschiedenen Konzepte haben?“
Dabei würde er es sogar begrüßen, wenn das Anforderungsniveau wieder steige, so Taubert. AbiturientInnenquoten über 50 % fußten nicht auf außergewöhnlich intelligenten Jahrgängen, sondern auf Prüfungsaufgaben, die ein Bestehen unverhältnismäßig erleichterten. In die Debatte um zu schwere Abituraufgaben in diesem Jahr wolle er sich aber nicht einlassen: „Es ist nicht meine Aufgabe den Schwierigkeitsgrad von Klausuren zu bewerten. Dennoch haben die SchülerInnen recht. Die Abschlussnote muss unabhängig davon sein, in welchem Bundesland und in welchem Jahr eine SchülerIn sich den Abiturprüfungen stellt.“

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